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21. Mai 2026 Von Maximilian Schmidt 8 Min. Lesezeit

Spoofing erklärt: Warum rufen Kriminelle mit der Nummer 110 an?

Warum rufen Betrüger mit der Nummer 110 an? So funktioniert das Fälschen von Telefonnummern (Caller ID Spoofing) und so verhalten Sie sich richtig.

Ihr Telefon klingelt und auf dem Display erscheint die Notrufnummer 110 oder die Nummer Ihrer örtlichen Polizeidienststelle. Am Telefon meldet sich ein angeblicher Kriminalkommissar und warnt vor Einbrüchen in der Nachbarschaft. Doch Vorsicht: Hierbei handelt es sich um eine perfide Betrugsmasche. Die Polizei ruft niemals mit der 110 an. Es handelt sich um Caller ID Spoofing.

Was ist Caller ID Spoofing?

Beim Spoofing (engl. für 'Vortäuschen' oder 'Fälschen') manipulieren die Täter die Telefonverbindung so, dass auf dem Display des Angerufenen eine beliebige Rufnummer angezeigt wird. Technisch ist dies durch die Umstellung der Telefonnetze auf VoIP (Voice over IP, Internettelefonie) extrem einfach geworden. SIP-Protokolle erlauben es dem Anrufer, ein Datenfeld namens 'Display-Name' oder 'User-Provided CLI' frei zu editieren. Die Vermittlungsstellen leiten diese Information ungeprüft an das Endgerät des Empfängers weiter.

Warum nutzen Betrüger diese Masche?

Durch die Anzeige von Nummern wie der 110 oder von bekannten Banken (z. B. der Servicehotline Ihrer Sparkasse) bauen Betrüger eine enorme psychologische Druckkulisse auf. Die Opfer glauben tatsächlich, mit Vertretern des Staates oder ihrer Bank zu sprechen und lassen sich dazu verleiten, Wertsachen an Kuriere zu übergeben oder TAN-Nummern am Telefon preiszugeben.

Wichtige Verhaltensregel bei angeblichen Polizeianrufen

Die deutsche Polizei ruft Sie niemals unter der Notrufnummer 110 an. Sollte diese Nummer auf Ihrem Display erscheinen, handelt es sich immer um einen Betrugsversuch! Legen Sie sofort auf. Wählen Sie anschließend selbst die 110 (ohne die Rückruftaste zu nutzen) oder die reguläre Festnetznummer Ihrer örtlichen Dienststelle, um den Vorfall zu melden.

Wie schützt das Gesetz vor Spoofing?

Die Bundesnetzagentur hat strenge Vorgaben für Telekommunikationsanbieter erlassen. Netzbetreiber müssen Anrufe aus ausländischen Netzen abbrechen oder anonymisieren, wenn diese eine deutsche Rufnummer als Absender übertragen (sogenanntes "CLI-Spoofing-Verbot"). Ausgenommen davon sind Roaming-Anrufe. Dennoch finden Betrüger über internationale Netzübergänge und Schlupflöcher immer wieder Wege, die Sperren zu umgehen.

Wie verhalte ich mich richtig?

  1. Geben Sie am Telefon niemals Auskunft über Ihre finanziellen Verhältnisse, Passwörter, PINs oder TANs.
  2. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie im Zweifel einfach auf.
  3. Rufen Sie Ihre Bank oder die Polizei unter der Ihnen bekannten, offiziellen Nummer zurück. Tippen Sie diese Nummer selbst ein und nutzen Sie nicht die Anrufliste.

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